Verkalkung
Was ist eine Kalkschulter?
Unter einer Tendinosis calcarea (Kalkschulter) versteht man eine Erkrankung im Bereich der Schultersehnen, besonders der Supraspinatussehne. Als Ursache wird eine Minderdurchblutung der Rotatorenmanschette gesehen, die zur reaktiven Kalkablagerung an den Sehnenansätzen führt.
Was passiert bei einer Kalkschulter?
Die Entwicklung und der Krankheitsverlauf der Kalkschulter kann in vier Phasen unterteilt werden.
- Phase der Zellumwandlung:
Während dieser Phase wird das Sehnengewebe zu Faserknorpel umgebaut. Der Patient empfindet in der Regel keine oder sehr leichte Schmerzen. - Phase der Verkalkung:
Das Knorpelgewebe stirbt teilweise ab und Kalk lagert sich ein. Dann lässt sich das Krankheitsbild mittels Ultraschall - später auch durch eine Röntgenuntersuchung nachweisen. Wird die Schultersehne durch das Kalkdepot sehr aufgeworfen, kann es beim Anheben des Armes zu einer Schulterdachenge kommen. Dadurch werden die unter das Schulterdach gleitenden Sehnen, vor allem die Supraspinatussehne, sowie die Schleimbeutel (Bursa subacromialis) gereizt. So kann sich auch das schmerzhafte Krankheitsbild eines Impingementsyndrom ausbilden. - Phase der Resorption:
Der Kalkherd wird resorbiert (aufgelöst) und geht mit einer heftigen Entzündungsreaktion einher, was zu starken Schmerzen führen kann. Wenn sich einzelne Kalkherde in den Schulterdachschleimbeutel (Bursa subacromialis) ausdehnen, können sie dort eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis) verursachen. - Phase der Reparatur:
Löst sich das Kalkdepot einmal auf, kommt es nur äußerst selten zu wiederkehrenden Kalkdepots (Rezidive).
Nicht jede Kalkschulter durchläuft diesen Zyklus vollständig. Sie kann in jedem Stadium verharren. Die Tendinosis calcarea verläuft in der Regel recht schmerzarm oder sogar ganz ohne Beschwerden. Leidet der Patient an akuten Schmerzen, so treten diese aufgrund des phasenartigen Verlaufes meist schubhaft auf.
Die Beschwerden eines Patienten mit Kalkschulter können erheblich variieren. Dies hängt hauptsächlich von der Größe des Kalkdepots und dem Erkankungsstadium ab.
Krankheitszeichen können sein:
- Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite
- Belastungsschmerz
- Schmerzen nach Überkopfarbeit
- Plötzlicher Schulterschmerz ohne Auslöser
- Bewegungsunfähigkeit des Armes (Pseudoparalyse)
Ursachen der Kalkschulter
Ursache der Tendinosis calcarea (Kalkschulter) ist eine Minderdurchblutung der Rotatorenmanschette. Dadurch kommt es zu einer lokalen Druckerhöhung im Bereich des Sehnengewebes, was zu einer schlechten Versorgung mit Sauerstoff führt.
Wie entstehen Nackenschmerzen als Folge einer Kalkschulter?
Führt ein Kalkdepot zu Einklemmungen und Schmerzen, wird die Schulter infolge der gereizten Sehnenansätze und damit verbundenen Schmerzen geschont. Dadurch kann sich eine Schultersteife entwickeln. Hierbei handelt es sich um eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung durch Entzündung der Gelenkschleimhaut und Schulterkapsel, die im Verlauf der Erkrankung zu einer Verdickung und einer anschließenden Schrumpfung der Schulterkapsel führt. Der Patient nimmt eine Schonhaltung ein, die wiederum die Kapselschrumpfung begünstigt.
Normalerweise kann der Arm im Schultergelenk bis 90° angehoben werden, die restlichen 90° bis zur vollständigen Überkopfstreckung von 180° erfolgen durch Gleitbewegungen des Schulterblattes auf dem Brustkorb (Thorax) (siehe Animation). Schrumpft die Gelenkkapsel aufgrund der Entzündung oder der schmerzbedingten Schonhaltung, so wird der Arm nicht mehr im Schultergelenk bewegt, sondern nur noch durch die Gleitbewegung des Schulterblattes. Dies führt zu Verspannungen und Überbeanspruchung der Muskulatur im Nackenbereich, die für diese Schulterblattbewegungen zuständig ist. Da dieser Verspannungsschmerz nun nicht mehr im Schultergelenk sondern im Nacken und oberen Rückenbereich lokalisiert ist, wird das eigentliche Problem der Verkalkung vom Patienten oft nicht in der Schulter gesehen.
Ähnlich einem Stein, der in einem zu engen Schuh drückt, wodurch ein Loch im Strumpf entsteht, löst der Kalk Schäden am Sehnengewebe aus. Als Folge wird die Sehne brüchig, zeigt Einrisse auf und wird mechanisch weniger belastbar, bis sie letztendlich reisst. Wird hier zu spät mit der Therapie begonnen, sind die Folgen oft irreparabel. Selbst dann, wenn der Defekt genäht wird, reisst die Sehne immer wieder ein.
Wie erfolgt die Diagnose?
Mit dem Ultraschall oder einer Röntgenuntersuchung kann eine Kalkschulter nachgewiesen werden, sobald eine Verkalkung eingetreten ist. Eine Kernspinuntersuchung ist für die Diagnostik nicht relevant, da sich das Kalkdepot hierbei schlecht darstellt.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Liegen eine akute Schleimbeutelentzündung (Bursitis subacromialis) und somit starke Schmerzen vor, kann der Arm kurzzeitig mit einer Schulterorthese (Bandage) entlastet werden. Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente sowie Kühlung der Schulter (Kryotherapie) lindern die Schmerzen und bremsen die Entzündungsvorgänge. Auch eine Injektion von leichten Betäubungsmitteln führt zu einer schnellen Schmerzlinderung.
Sobald die Schmerzen nachlassen, sollte eine Krankengymnastik (Physiotherapie) zur Entlastung der Schultersehnen und zum Erhalt der Schultergelenksbeweglichkeit begonnen werden. Bei wiederkehrenden Schmerzen kann auch eine Stoßwellentherapie zu Schmerzlinderung führen. Hierbei wird das Kalkdepot focusiert mit akustischen Wellen beschossen, und es können biologische Prozesse in Gang gesetzt werden, die das Kalkdepot auflösen.
Führen die genannten konservativen Therapien zu keiner Besserung, leidet der Patient anhaltend unter starken Schmerzen, ist der Kalkherd größer als 1 cm und ist er von harter Konsistenz, so kann eine Operation notwendig werden. Da die Kalkschulter oft spontan heilt, ist man mit der operativen Behandlung eher zurückhaltend.
Während der Operation werden die Kalkdepots entfernt und der subakromiale Raum erweitert. Dieser Eingriff kann in der Regel arthroskopisch (minimal invasiv) durchgeführt werden. Während der Spiegelung (Arthroskopie) können gleichzeitig Zusatzschäden (Arthrose, Rotatorenmanschettenriss) diagnostiziert und gegebenenfalls mitbehandelt werden.
Nach dem operativen Eingriff sollte die Schulter für etwa drei Wochen geschont werden. Krankengymnastik sorgt für den Erhalt der Schulterbeweglichkeit.

