| Bei der Hüftkopfnekrose handelt es sich um die Zerstörung des gelenknahen Knochens des Femurkopfes im Rahmen einer Durchblutungsstörung.
Diese kann viele verschiedene Ursachen haben - manche davon sind bis heute nicht eindeutig bekannt. Die Hüftkopfnekrose ist ein Absterben des Knochens, ohne dass eine Infektion des Hüftgelenkes vorliegt. Wird nicht frühzeitig stadiengerecht therapiert, entstehen irreparable Schäden am Hüftgelenk, die zu einer beschleunigten Hüftarthrose führen, obwohl der Knorpel selbst gar nicht direkt von der Durchblutungsstörung betroffen ist. Die Schädigung entsteht vielmehr durch den Festigkeitsverlust des abgestorbenen Hüftkopfknochens unter dem Knorpel - dadurch bricht der Knorpel ein und eine Arthrose kann entstehen. Unbehandelt führt die Hüftkopfnekrose bei 85% der Patienten zu einem Einbruch des Hüftkopfes und zur Hüftarthrose (Coxarthrose). |
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Was passiert im Knochen?
In Ihrem Knochen ist es durch die gestörte Durchblutung zu einem Tod von Knochenzellen gekommen, weil die den Hüftkopf versorgenden Blutgefäße verschlossen wurden.
Die Folgen dieser Mangelversorgung des Hüftknochens mit Sauerstoff sowie Nähr- und Mineralstoffen sind gravierend.
Die eigentliche Aufgabe der Knochenzellen ist es, einen ständigen Knochenauf- und abbau sicher zu stellen, damit sich der Knochen an ständig wechselnde Belastungen anpassen kann. Das abgestorbene Hüftknochengewebe kann diese natürlichen Prozesse nicht mehr aufrechterhalten.
Folglich werden die Knochenbälkchen im Inneren des Knochens, die für die Stabilität und die Formgebung des Hüftkopfes von großer Bedeutung sind, nicht mehr erneuert: Die von der Hüftkopfnekrose betroffenen Knochenanteile brechen mangels ausreichender Festigkeit ein. Im Knochen unter dem Hüftknorpel entsteht ein Loch! Der darüber liegende Hüftgelenkknorpel kann dadurch schwer geschädigt werden- die Hüftarthrose droht! Ein schwerer, nicht umkehrbarer Schaden an Gelenk und Knochen ist die Folge.
Vergleichbar mit der Eisfläche eines zugefrorenen Sees, die nicht überall ausreichend dick ist, bricht der Knochen an der dünnsten Stelle ein.
Die Problematik der Hüftkopfnekrose ist, dass das Krankheitsgeschehen sehr nah am Gelenk statt findet und es dadurch zu einer Schädigung des Hüftgelenks kommt. Knocheninfarkte, wie sie zum Teil als Zufallsbefunde im Röntgenbild festgestellt werden können, liegen im Inneren des Knochens weit entfernt vom Gelenk und haben daher geringe Bedeutung.
Spielt das Alter eine Rolle?
Im kindlichen und jugendlichen Alter beim sogenannten Morbus Perthes ist eine viel stärkere Umbaureaktion zu erwarten, die Selbstheilungspotenz ist deutlich höher, da der Knochen einen stärkeren Reparaturmechanismus hat.
Bei einer Hüftkopfnekrose im Erwachsenenalter sind diese Möglichkeiten deutlich eingeschränkt. Eine selbstständige Reparatur der Knochennekrose durch eine konservative Behandlung ist unwahrscheinlich.
Wie kommt es zu einer Hüftkopfnekrose?
Häufige Ursachen für eine Hüftkopfnekrose beim Erwachsenen:
- Unfallverletzungen mit Schädigung der Hüftkopfgefäße z.B. nach Schenkelhalsbruch kopfnah (posttraumatische Hüftkopfnekrose)
- alkoholbedingte Schädigung des Hüftkopfes (ethyltoxische Hüftkopfnekrose)
- strahlungsbedingte Schädigung des Hüftkopfes (post radiatio Hüftkopfnekrose)
- Kortisonbedingte Knochenschädigung (Glukokortikoid bedingte Hüftkopfnekrose)
- Zystostatika mit knochenschädigender Wirkung
- Tauchschäden durch Gasbläschen bei zu schnellem Auftauchen (Caisson- oder Dekompressionskrankheit)
- Berufserkrankung bei Tauchern und Bergbauarbeitern
- stoffwechselbedingte Durchblutungsstörungen des Hüftkopfes (Erhöhte Gallensäure, Blutzuckererhöhung bei Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörung)
- Nierenerkankungsbedingte Hüfterkrankung (Renale Hüftkopfnekrose)
- Gerinnungsstörungsbedingte Nekrose
- Blutzelltumoren
Trotz der vielen modernen Diagnosemethoden und guter Studienlage sind noch nicht alle Ursachen für eine Hüftkopfnekrose bekannt. Regelmäßig haben wir Patienten in der Sprechstunde, die eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes und alle Zeichen eines Hüftkopftodes haben, aber keine der oben genannten Ursachen aufweisen.
Welche Symptome gibt es im Frühstadium?
Die Hüftkopfnekrose kann im frühen Stadium als schleichend beginnendes Ziehen in der Leiste oder plötzlich einschießende Leistenschmerzen beschrieben werden.
Die anfänglichen Hüftbeschwerden weisen nicht auf die Ursache hin.
Das Hüftgelenk kann rasch die alltägliche Belastung nicht mehr tolerieren. Ausserdem ist häufig die Beweglichkeit bei Innendrehungen eingeschränkt.
Die massiven Hüftschmerzen oder Leistenschmerzen treten oft erst beim Zusammenbrechen des abgestorbenen Hüftkopfes ein.
Daher kommt es häufig zu einer verspäteten Diagnose und Behandlung der Hüftkopfnekrose.
Wie kann die Hüftkopfnekrose erkannt werden?
Wir führen mit dem Patienten ein Gespräch über die Hüftbeschwerden und die möglichen Risikofaktoren für eine Hüftkopfnekrose.
Eine genaue Hüftschmerzanamnese und eine akribische klinische Untersuchung des Hüftgelenks schließen sich an.
Dank unserer Erfahrung können wir die Symptome in der Regel richtig einschätzen und die erforderliche Behandlung einleiten.
Untersuchungs-Kriterien sind:
- die Beweglichkeit des Hüftgelenks
- das Bewegungsgefühl des Hüftgelenks
- Schmerzorte am Hüftgelenk
- Stellungen, bei denen Hüftschmerzen provoziert werden können
- Muskelkraft und Muskelmasse der hüftumgebenden Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur
- das Gangbild
In der Orthopädie stehen uns verschiedene apparative bildgebende Diagnoseverfahren zur Verfügung.
Mit Hilfe von Röntgenbildern und der Magnetresonanztomographie (MRT) können wir die Hüftdiagnose sichern.
Welche Aussagen lassen die Röntgenuntersuchung bei der Hüftkopfnekrose zu?
Die digitale Röntgenaufnahme lässt eine strahlungsarme Untersuchung des Hüftgelenkes zu. Für die Diagnose einer sehr frühen Hüftkopfnekrose ist dieses Verfahren nicht gut geeignet. Im Röntgenbild werden nur Veränderungen der Knochenstruktur sichtbar gemacht.
Die Knochenbälkchen werden erst Wochen nach dem eigentlichen Infarktereignis (Tod der Knochenzellen durch fehlende Durchblutung) abgebaut.
Daher kann die Hüftkopfnekrose im Röntgenbild nicht in der Frühphase nachgewiesen werden.
Wann können Schnittbildverfahren die Hüftkopfnekrose feststellen?
Mit Hilfe der kernspintomographischen Untersuchung können wir die Hüftkopfnekrose im Frühstadium diagnostizieren. Es ist zugleich die einzige Methode diese Hüfterkrankung so frühzeitig einer Behandlung zuzuführen, dass eine vollständige Wiederherstellung oder zumindest ein Erhalt des Hüftgelenkes möglich ist.
Computertomographische Untersuchungen stellen ebenfalls nur Knochenveränderungen dar und sind erst im späteren Stadium der Hüftkopfnekrose hilfreich.
Alle drei Verfahren sind hilfreich um die Art und das Ausmaß der Hüftkopfnekrose genau analysieren zu können und ein bedarfsgerechten Therapieplan zu erstellen.
Welche Krankheitsstadien werden bei der Hüftkopfnekrose unterschieden?
Die Hüftkopfnekrose kann in verschieden Krankheitsstadien eingeteilt werden.
Die sog. ARCO Klassifikation wird international in Studien verwendet.
ARCO 0 Hüftkopfnekrose: Alle bildgebenden Verfahren sind negativ.
ARCO I Hüftkopfnekrose: Kernspintomographie und Knochenszinthigraphie zeigen die Nekrose
ARCO II Hüftkopfnekrose: Röntgen und CT zeigen eine leichte Entkalkung, in der Kernspintomographischen Untersuchung typische Nekrosebezirk nachweisbar.
ARCO III Hüftkopfnekrose: Im Röntgen und CT kann man eine Bruchlinie unter dem Knorpel nachweisen, im weiteren Verlauf verformt sich der Hüftkopf.
ARCO IV Hüftkopfnekrose: Zeichen eines Hüftverschleißes (sekundäre Coxarthrose)
Welche Therapie kann bei der Hüftkopfnekrose oder absterbenden Hüftkopf helfen?
Für die Therapieentscheidung ist die Einteilung in der ARCO Klassifikation unabdingbar.
Hierbei ist das Alter des betroffenen Menschen, die Ausdehnung und Lokalisation der Hüftkopfnekrose entscheidend. Beim Erwachsenen kann im Gegensatz zur kindlichen Hüftkopfnekrose (M.Perthes) eine Selbstheilung nicht erfolgen.
Der Zustand des Hüftgelenkes ebenso wie der Allgemeinzustand des Patienten, zusätzlicher Erkrankungen, Lebenserwartung wird ebenfalls in die Therapieentscheidung mit einbezogen.
Je weniger die Knochennekrose fortgeschritten ist, umso besser stehen die Chancen auf Linderung der Beschwerden und sogar auf völlige Heilung.
Welche Therapiemaßnahmen stehen zur Verfügung?
mechanischer Entlastung über Physiotherapie Gewichtsentlastung des Hüftgelenkes, Schonung durch Sportkarenz, Ruhigstellung des Hüftgelenkes (z.B. Orthesen)
Hyperbare Sauerstofftherapie (hyperbare Oxygenierung) im sehr frühen Stadium der Hüftkopfnekrose.
Hüftoperationen mit Bohrungen der Knochen (z.B. Pridie-Bohrungen),
Hüftoperationen mit Knochen oder Knorpelknochentransplantation
Hüftoperationen wie Osteotomien (z.B. Varisationsosteotomie bei M. Perthes)
Künstlicher Hüftgelenkersatz durch Endoprothetik bei eingebrochenem Hüftkopf.
Welche anderen Erkrankungen müssen von der Hüftkopfnekrose unterschieden werden?
Zu unterscheiden sind Entzündungen des Hüftgelenkes entzündungsbedingten Formen der Hüftkopfnekrose (septische Hüftkopfnekrose). Hierbei sind Bakterien für die Hüfterkrankung ursächlich.
Osteomyelitis oder Knocheneiterung im Hüftkopf Tumoren oder sogenannte Neoplasien des Hüftkopfes (seltene bösartige Tumoren des Hüftkopfes sind das Klarzellchondrosarkom, gutartige Tumoren des Hüftkopfes Chondroplastom), Tumorabsiedlungen im Hüftgelenk bei anderen Tumoren (Knochenmetastasen im Hüftkopf). Verwechslung bei Prostatakarzinom möglich.
Knochenzysten im Hüftkopf auch im Rahmen eines Hüftverschleißes (Coxarthrose)
Zusammenfassung
Die Hüftkopfnekrose ist eine schwere Knochenerkrankung des Hüftgelenkes. Hierbei kommt es zu einer örtlich begrenzten Zerstörung des Knochens am Hüftkopf.
Die Hüftkopfnekrose des Erwachsenen scheint eine der typischen Zivilisationskrankheit zu sein. Vergleichbar einem Herzinfarkt sind auch beim Hüftinfarkt Risikofaktoren wie Rauchen, zu hohe Blutfettwerte und zu viel Alkoholzufuhr ursächlich, daher erkranken pro Jahr mehrere Tausend Menschen in Deutschland an einer Hüftkopfnekrose. Es ist eine Hüfterkrankung mit vielen weiteren bekannten Entstehungsmechanismen.
Die Hüftkopfnekrose betrifft vorrangig Patienten zwischen 35 und 45 Lebensjahr. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Der absterbende Hüftkopf vermindert die Lebensqualität der Betroffenen massiv. 30-70% der Fälle tritt eine beidseitige Hüftkopfnekrose auf.


